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Warum beginnt die Pubertät heute früher?

Von GüNTER STALLA

Die Kindheit wird immer kürzer, der Pubertütsbeginn verschiebt sich nach vorne. Warum das so ist, weiß Günter Stalla vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München.

Zickenterror, Pickel und die erste große Liebe: Keine Phase im Leben ist so anstrengend wie die Pubertät. Eltern sehen ihrem Beginn meist mit Unbehagen entgegen, denn aus süßen Kindern werden nicht selten bockige Rebellen und das immer früher!

Körperliche Veränderungen setzen immer früher ein
Biologisch setzt die Pubertät mit der vermehrten Produktion von Geschlechtshormonen ein. In Studien wird der Anfang jedoch meist an sichtbaren Veränderungen des Körpers festgemacht wie dem Einsetzen der Regelblutung oder dem Wachstum der Hoden. Wissenschaftler berichten weit gehend Übereinstimmend: Der Pubertätsbeginn hat sich in den vergangenen Jahrzehnten nach vorne verschoben.
So stellten etwa zwei dänische Studien mit mehr als 3500 Teilnehmern fest: Die Mädchen bekamen im Jahr 2006 mit durchschnittlich 13,1 Jahren und damit rund drei Monate früher ihre erste Regelblutung als noch 1991. AuSSerdem beginnt ihre Brust etwa ein Jahr früher, also bereits mit 9,9 Jahren zu wachsen. Auch der männliche Hoden vergrößert sich der Erhebung zufolge fast drei Monate eher, mit 11,7 Jahren.

Übergewichtige Kinder kommen frühzeitiger in die Pubertät
Einer der Gründe für diese Entwicklung gilt als belegt: das zunehmende Übergewicht unter Jugendlichen. Mädchen bauen von Natur aus noch leichter Fettgewebe auf als Jungen. Das Entscheidende: In dem Fettgewebe entsteht der Botenstoff Leptin, der die Pubertät vorantreibt. Je dicker ein Kind, desto früher entwickelt es sich also zum Erwachsenen.

Einen direkten Einfluss der Ernährung ergab auch eine Analyse der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn aus dem Jahr 2012. Ein Team um den Ernährungswissenschaftler Guo Cheng folgerte anhand verschiedener Studien, dass Kinder, deren Ernährung sehr viel tierisches Eiweiß aus Milchprodukten und Fleisch enthält, etwa sieben Monate früher in die Pubertät kommen als Kinder, die ihren Eiweißbedarf vor allem mit pflanzlichen Nahrungsmitteln wie Hülsenfrüchten decken.

(Aus Gehirn und Geist, Juni 2014)